Licht
Licht setzen mit wenig Ausrüstung
Licht ist der Teil der Ausrüstung, bei dem der Zugewinn pro Euro am größten ist — und der, an dem beim Einstieg am häufigsten gespart wird. Eine günstige Kamera mit gutem Licht schlägt eine teure Kamera mit schlechtem.
Die Größe der Lichtquelle entscheidet
Der wichtigste Begriff ist nicht Helligkeit, sondern relative Größe: wie groß die Lichtquelle vom Motiv aus gesehen erscheint.
- Eine große Quelle erzeugt weiche Schatten mit fließenden Übergängen.
- Eine kleine Quelle erzeugt harte Schatten mit scharfer Kante.
Entscheidend ist die scheinbare Größe, nicht die tatsächliche. Die Sonne ist riesig und dennoch eine harte Lichtquelle, weil sie weit weg ist. Dieselbe Sonne hinter einer Wolkendecke wird zur weichsten Quelle, die es gibt.
Daraus folgt die praktischste Regel des Themas: näher heran heißt weicher. Eine Leuchte einen Meter vom Gesicht entfernt zeichnet weicher als dieselbe Leuchte aus drei Metern. Wer weicheres Licht will, muss nichts kaufen — nur näher rangehen.
Die Drei-Punkt-Anordnung
Der Ausgangspunkt für Personen, an dem sich fast alles orientiert:
Führungslicht — die Hauptquelle, seitlich versetzt vor dem Motiv, etwa 30 bis 45 Grad aus der Kameraachse. Sie legt fest, wo die Schatten liegen.
Aufhellung — auf der Gegenseite, deutlich schwächer. Sie hellt die Schatten auf, ohne eigene zu erzeugen. Hier reicht in der Regel eine weiße Fläche, die das Führungslicht zurückwirft; eine zweite Leuchte ist nicht nötig.
Spitzlicht — hinter dem Motiv, auf Haare und Schultern gerichtet. Es zeichnet eine helle Kante und löst die Person vom Hintergrund. Dieser dritte Punkt bringt den größten sichtbaren Sprung und wird am häufigsten weggelassen.
Was ein Fenster leistet
Ein großes Fenster ist eine hervorragende, weiche Lichtquelle. Man setzt die Person seitlich davor, nicht frontal — frontales Fensterlicht ist flach.
Gegenüber stellt man eine weiße Fläche als Aufhellung: eine Styroporplatte, ein Bettlaken, ein Faltreflektor. Damit steht eine vollständige Zwei-Punkt- Ausleuchtung, deren Materialkosten im einstelligen Bereich liegen.
Eine Einschränkung: Tageslicht ändert sich. Für Aufnahmen, die über Stunden gehen oder wiederholbar sein müssen, führt kein Weg an künstlichem Licht vorbei.
Farbtemperatur nicht mischen
Warmes Kunstlicht und kaltes Tageslicht in einer Aufnahme ergeben Gesichter, die auf einer Seite orange und auf der anderen blau sind. Der Weißabgleich kann nur eine der beiden Quellen korrigieren.
Entweder man schaltet das Raumlicht aus und arbeitet nur mit Fenster, oder man schließt die Vorhänge und arbeitet nur mit Kunstlicht. Mischen ist die Ursache für die meisten Farbprobleme, die später nicht mehr sauber zu beheben sind.
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