Unabhängige Kaufberatung für Foto- und Videoausrüstung

Zubehör

Filter, die sich nicht nachträglich ersetzen lassen

Die meisten Filtereffekte lassen sich heute am Rechner erzeugen. Zwei nicht — und genau die gehören in die Tasche.

ND-Filter

Ein Graufilter (ND, neutral density) nimmt Licht weg, ohne die Farben zu verändern. Er ist eine Sonnenbrille für das Objektiv.

Bei Video ist er kein Zubehör, sondern Voraussetzung. Die Belichtungszeit ist an die Bildrate gekoppelt und liegt bei 25 Bildern pro Sekunde bei etwa 1/50 Sekunde. An einem hellen Tag ist das selbst bei geschlossener Blende zu viel Licht. Es bleiben drei Möglichkeiten:

  1. abblenden — dann verschwindet die Freistellung, und ab etwa F16 kostet Beugung sichtbar Schärfe;
  2. die Belichtungszeit verkürzen — dann verschwindet die Bewegungsunschärfe und die Bewegung wirkt stroboskopartig;
  3. einen ND-Filter setzen — dann bleibt alles, wie es sein soll.

Nur der dritte Weg löst das Problem, ohne einen neuen zu schaffen. Nachträglich lässt sich das nicht herstellen: einmal fehlende Bewegungsunschärfe ist nicht rekonstruierbar.

Polfilter

Ein Polarisationsfilter unterdrueckt Reflexionen auf nicht-metallischen Oberflächen: Wasser, Glas, nasses Laub, Lack. Er lässt durch eine Wasser- fläche hindurchsehen, nimmt den Schleier von einer Schaufensterscheibe und sättigt einen blassen Himmel.

Auch das ist in der Nachbearbeitung nicht nachholbar. Eine Software kann eine Spiegelung dunkler rechnen, aber nicht wissen, was darunter liegt — diese Information wurde nie aufgezeichnet.

Zwei Einschränkungen: Der Effekt hängt vom Winkel zur Sonne ab und ist bei etwa 90 Grad am stärksten, direkt in oder gegen die Sonne fast null. Und der Filter kostet ein bis zwei Blendenstufen Licht.

Was man sich sparen kann

Farbfilter, Weichzeichner und Sterneffekte waren zu Filmzeiten notwendig. Heute sind sie in der Nachbearbeitung besser kontrollierbar und jederzeit zuruecknehmbar. Ein UV-Filter hat an einer Digitalkamera keine bildliche Wirkung mehr; als reiner Frontlinsenschutz ist er vertretbar, mehr nicht.

Was beim Kauf zählt

Der Durchmesser muss zum Objektiv passen (die Zahl hinter dem ⌀-Zeichen). Bei mehreren Objektiven kauft man den größten Durchmesser einmal und ergänzt Adapterringe nach unten.

Bei der Qualität gilt: Der Filter sitzt vor allen anderen Linsen. Ein billiges Stück Glas vor einem teuren Objektiv macht aus dem teuren Objektiv ein billiges. Bei ND-Filtern zeigt sich schlechte Fertigung als Farbstich, bei starken Graufiltern oft als Grün- oder Magentaton, der sich über das ganze Bild legt.

Dazu passend

Objektive

Weiterlesen

Weitere Beiträge

Gimbal oder Stativ
Beide halten die Kamera ruhig, aber auf entgegengesetzte Weise. Wann sich welches Werkzeug lohnt — und warum die Traglast die eigentliche Kaufentscheidung ist.

Objektive für Videoaufnahmen
Warum Lichtstärke, Brennweite und Fokusverhalten bei Video anders zu gewichten sind als bei Foto — und welche drei Objektive den Anfang tragen.

Drohnen für Luftaufnahmen
Die 250-Gramm-Grenze, die Klassen C0 bis C4 und was davon für Einsteiger wirklich zählt — plus die Pflichten, die auch bei der kleinsten Drohne gelten.